Protokoll Wissenschaftsausschuss des Landtags

Die gut gepflegte Presse- und Literaturliste auf dem Mittelbauwiki (dort leider nur intern) hat mich auf das vor kurzem veröffentlichte Protokoll der Sitzung des Ausschusses für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landtags am 15.02.12 aufmerksam gemacht.

Ich habe den Anfang des Texts erstmal nur überflogen. Der Ausschussvorsitzende der Lausitzkommission, Jens Lipsdorf (FDP), scheint über die Berichterstattung in den Medien irritiert:

Der Vorsitzende nimmt eingangs Bezug auf die jüngste Darstellung der Problematik in den Medien. Diese habe streckenweise sein Unverständnis hervorgerufen insoweit, als die BTU eine Universität sei, die man sofort schließen müsste, wie es bei spielsweise im RBB vermittelt worden sei.

Protokoll, S. 3

Frau Kunst äußert das übliche Geblaber, da hab ich noch nicht genauer reingeschaut. Dann erläutert der Vorsitzende der Lausitzkommission, Prof. Emmermann, das Gutachten und die Kriterien (S. 6–11). Dabei weist er auch darauf hin, daß Hochschule Lausitz und BTU an unterschiedlichen Maßstäben gemessen wurden, schließlich ist die eine eine Fachhochschule, die andere eine Technische Uni. (Das ist ein Punkt, den meiner Meinung nach die meisten Berichte der Medien nicht wirklich gewürdigt, oder zumindest verstanden haben.) Und er sieht eben keine Notwendigkeit, daß die Hochschulen geschlossen werden:

Bei aller Kritik des Gutachtens: Es ist einfach so, dass wir genügend Potenzial gesehen haben, um eine Weiterentwicklung vorzunehmen, und wir empfehlen deshalb, die Stärken weiter zu stärken.

Protokoll, S. 8, 3. Absatz

Er sagt auch noch ein bißchen was zu seinem Strukturvorschlag. Ich weiß immer noch nicht, ob der praktikabel ist, aber gefühlsmäßig besser als eine Neugründung.

Da in beiden Hochschulen, speziell in der BTU, aber auch durch Stellennichtwiederbesetzungen1 – auch durch Pensionierungen, die in der nächsten Zeit anstehen – aus unserer Sicht auch genügend Ressourcen da sind, empfehlen wir, hier nicht dramatisch zu sparen, sondern diese Ressourcen wieder wesentlich einzusetzen und zum Beispiel über Paketausschreibungen zu sehen, dass man richtig klotzt und nicht einzeln beruft, sondern ganze Gebiete weiterzuentwickeln versucht.

Protokoll, S. 8, 5. Absatz

Ah, ich möcht das mal sehen, wenn dann „geklotzt“ wird.

Prof. Schulz, der Präsident der Hochschule Lausitz, scheint mir im Prinzip mit beiden Strukturmodellen leben zu können.2 Aber ausreichend Resourcen möchte er ebenso sichergestellt sehen:

Was wir jetzt erleben, ist, dass es um Ressourcen geht. Dabei würde ich mir wünschen – ich möchte nicht sagen, ich fordere das, dass für all das eine auskömmliche finanzielle Basis geschaffen wird, denn dieses Modell, das wir für die Lausitz vorhaben, geht nicht mit weniger Geld. Immer, wenn man neue Modelle entwickelt, ist am Anfang ein erhöhter Aufwand nötig. [...] Das Investment kommt dann sozusagen zurück.

Protokoll, S. 14, 4. Absatz

Und nochmal:

Welches Modell Sie beschließen – ich würde um auskömmliche Finanzierung bitten. Für die Qualität sind wir bereit zu sorgen und uns entsprechend zu entwickeln.

Protokoll, S. 15, 1. Absatz

Prof. Emmermann erläutert auf S. 18, warum die Kommission von einer „Gesamthochschule“ Abstand genommen hat. Sie haben sich mit Lüneburg und anderen beschäftigt, und Fazit war in allen Fällen,

dass es ein mühsamer Prozess ist und sehr viel Sand ins Getriebe bringt und das Ergebnis ein langer Hickhack sein könnte, bevor so etwas am Ende vielleicht funktioniert.

Protokoll, S. 18, 1. Absatz

Ich bin noch nicht durch (das Bett ruft), aber zum Abschluss für heute noch ein eigentlich naheliegender Aspekt, der mir, und vermutlich jedem außer Fr. Kunst, aufgefallen ist:

[...] und ganz klar ist, dass exzellente Forschung vor allem auch exzellente Menschen braucht, also die besten Köpfe, die wir haben. Die Frage ist, wie exzellente Wissenschaftler an der BTU mit diesem Vorschlag umgehen und ob sie nicht unter Umständen sagen: Bevor ich mich über einige Zeit in solchen
„Graben­kämpfen“ verrenne, wechsle ich den Standort und gehe woandershin.

Protokoll, S. 19, 2. Absatz


  1. Er meint damit wohl hauptsächlich den Stellenumbaupool, mit dem uns das MFWK im letzten Jahr traktiert hat. „Nichtwiederbesetzung“ hört sich so an, als hätte es die BTU verbockt. Okay, manche Berufungsverfahren ziehen sich ewig, aber die massive Nichtbesetzung von Professuren ist vom MWFK angeordnet worden. []
  2. Er erwähnt auch den „neuen Bildungsauftrag“, d.h. das gestufte System (Bologna); das ist natürlich noch ein weites Feld – wie soll man einen Bachelor machen, der berufqualifizierend ist, andererseits eine wissenschaftlich orientiertes Weiterstudium an einer Uni ermöglicht, und dabei auch noch nicht zu lange dauert? Darauf kann er in seinem kurzen Statement nicht eingehen, erwähnt aber, daß die HSL erfolgreich ist mit ihrem Bachelor und es gelungen ist, „stärker den Aspekt der Forschung als Wissensgenerierung in die akademische Ausbildung einzuführen“ (S. 13). Wie der Bologna-Spagat (und natürlich auch „Uni vs. FH“) zu lösen ist, ist als Thema in der Öffentlichkeit bis jetzt noch kaum diskutiert worden. []

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