Als die Varisziden noch ein mächtiges Hochgebirge waren (Anno Domini 1646)

Neulich1 haben wir uns Krabat (IMDb) angeschaut. Insgesamt ein recht unterhaltsamer Film, auch wenn die Handlung hin und wieder etwas holpert. Es ist leider schon ewig her, daß ich das Buch gelesen habe; aber so fallen mir wenigstens die Diskrepanzen zwischen Film und Buch nicht so sehr auf wie manchen Rezensenten.

Allerdings konnte ich mich während des Films immer wieder an kleineren Seltsamkeiten amüsieren, über die ich mich hier ein wenig auslassen werde.

So zeigt die nördliche Oberlausitz, abseits der Mühle, eine Gebirgigkeit, die mir so noch nicht bekannt war… Da kann ich die Filmkritik im intro nicht so ganz nachvollziehen:

Sein Film weiß einerseits um das notwendige Ambiente einer Fantasy-Kulisse. Andererseits weigert er sich, die Lausitz als entlegenen Teil von Mittelerde zu inszenieren.

Ich fand, es war manchmal schon durchaus sehr mittelerdig, gerade die Kameraflüge über hohe Gebirge am Anfang. (Von woher kam Krabat eigentlich hergewandert?)

Aber nicht nur Mittelerde: der „Gevatter“ hat mit seiner schwarzen Kapuze, unter der das verwurstelte Gesicht kaum zu erkennen ist, eine frappierende Ähnlichkeit mit Imperator Palpatine. (Und mein Mitbewohner hat bei der Wundbehandlung mit Moosstücken Parallelen zur Verfilmung von Ronja Räubertochter gefunden.)

Der GevatterImperator Palpatine
Gevatter Palpatine2

Der Gevatter lässt sich auch immer ein bißchen Zeit – in den Neumondnächten ist stets eine ominöse Sichel zu sehen. Zugegeben, ein echter Neumond würde kein so stimmungsvolles Bild abgeben. Dafür ist dann an Ostern Vollmond…

Auch geht der Film über nur zwei Jahre, statt drei, wie im Buch. Aber das mag daran liegen, daß man wohl schlecht einen eher bekannten Schauspieler wie Daniel Brühl engagieren und dann für 2/3 der Handlung im Grab rumliegen lassen kann.

Diese Gräber befinden sich übrigens zwischen schneebedeckten Felsgipfeln etwas unterhalb eines Gletschers, was der Aufforderung des Meisters, im Koselbruch sei ein Grab auszuheben, eine geomorphologisch etwas pikante Note verleiht.

Gräber am Koselbruch-Gletscher...
Gräber am Koselbruch-Gletscher3

Die einzige wirklich nervige Stelle war die Kampfszene im Dorf mit den extrem hektischen Schnitten und Effekten, die nicht zu dem sonst recht flüssig verlaufenden Film passen wollen.

Und so sehr ich Polarkreis 18 auch mag – „Allein Allein“ paßt überhaupt nicht zum Film (auch wenn es „nur“ im Nachspann ist).

Nun, genug gemeckert. Insgesamt habe ich den Kinobesuch nicht bereut. 😉

PS: Und ja, wenn ich das richtig überblicke, ist die Gegend eher cadomisch angelegt, und war auch nicht unbedingt ein Hochgebirge… Aber angesichts der imposanten Naturaufnahmen konnte ich mir den Spruch mit dem varisizischen Hochgebirge einfach nicht verkneifen.


  1. Ok, eigentlich schon vor zwei Wochen, aber Krankheit und Arbeit haben mich ausgebremst. []
  2. Bilder aus dem Trailer auf der Film-Homepage und der Wikipedia []
  3. Bild aus dem Trailer auf der Film-Homepage []

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