SPD-Fachkonferenz Zukunft von Bildung und Wissenschaft

Der Landesvorstand der SPD hat zur Leitbildentwicklung für die Zukunft des Landes unter dem Motto „Brandenburg 2030“ eine Kommission eingesetzt. Diese hat zunächst intern ein Thesenpapier erarbeitet und dann in den letzten Monaten öffentliche Veranstaltungen dazu durchgeführt. In Bernau bei Berlin fand heute die letzte Fachkonferenz dazu statt, zum Thema „Zukunft von Bildung und Wissenschaft“.

Es waren einige Angehörige der BTU dabei: der Präsident, die Professoren Hipp, Koziol und Schmeißer und zwei wissenschaftliche Mitarbeiter nebst mir (wenn ich niemanden übersehen habe). Mir bekannte Studenten habe ich nicht entdeckt; mir wurde aber Paul Weißflog von der Juso-Hochschulgruppe vorgestellt.

Hinweis: ich schreibe noch an dem Artikel. Das erste Stück veröffentliche ich schon mal, damit Interessierte mit dem Lesen anfangen können.

Dieser Blogartikel soll möglichst kurzfristig einen Eindruck von der Konferenz verschaffen; sämtliche Aussagen hier habe ich auf Grundlage meiner Notizen wiedergegeben. Ich kann darum nicht garantieren, alle Details korrekt darzustellen! Vor jemand irgendwelchen Beteiligten einen Strick aus ihren Aussagen drehen möchte, bitte bei der betreffenden Person oder der Konferenzmoderation vorher nachfragen, ob das wirklich so gesagt wurde. Ich gebe hier nur knappe Stichpunkte wieder, zu Lasten der argumentativen Stringenz. Aber ohne Mitschnitt würde mir eine angenehm lesbare Prosa nicht gelingen. Ergänzungen oder Berichtigungen bitte in den Kommentaren hinterlassen, damit ich sie in den Text einarbeiten kann.

Ablauf und Inhalte in Stichpunkten

Zur Eröffnung sprach Bildungsministerin Martina Münch zu den Vorstellungen für die Zukunft, legte aber den Schwerpunkt auf Bildung (Kita, Schulen). Danach fanden drei parallele Workshops statt, ich besuchte (wie auch die anderen von der BTU) „Wissenschaftsland Brandenburg“. Moderiert wurde von der wissenschaftspolitischen Sprecherin der SPD-Fraktion, Susanne Melior, auf dem Podium waren die Wissenschaftsministerin Kunst und die stellvertretende Juso-Vorsitzende Maja Wallstein. Letzere studiert an der Uni Potsdam und ist, wenn ich das richtig verstanden habe, Cottbuserin.

Zur Eröffnung gaben Fr. Kunst und Maja Wallstein jeweils ein Statement ab, danach wurden Fragen aus dem Publikum gesammelt und beantwortet. Fr. Kunst erzählte nichts übermäßig aufsehenerregendes, ich hatte aber anfangs auch Probleme, ihr zu folgen. Sie sprach die Bedeutung der dualen Ausbildung1 und daraus resultierender Kooperationsformen an, sowie daß die universitäre und außer­universitäre Forschung näher zusammenrücken sollen.2 Die Kon­kurrenzfähigkeit der Brandenburgischen Hochschulen in Deutschland muß gewährleistet werden.3

Maja Wallstein ging erstmal auf das Thesenpapier an sich ein. Nach der Istzustandsbeschreibung im ersten Teil folgt die Zukunftsvision, die sie für noch zu negativ/pessimistisch hält. Der demographische Wandel werde als gegebener Faktor betrachtet, während doch Hochschulen der beste und billigste Weg wären, Leute nach Brandenburg zu bringen.

Im folgenden protokolliere ich jetzt nicht alle Inhalte der Beiträge aus dem Publikum, sondern greife nur die interessantesten auf.

Prof. Günther, Präsident der Uni Potsdam und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz: die Anzahl der Studienplätze ist eine unabhängige Variable – es muß entschieden werden, wie viele Studien­plätze nötig bzw. gut für das Land sind; die Nachfrage ist demgegenüber nahezu unbegrenzt. Die Frage ist, wie viele finanziert werden können. Pro Studienplatz sollte man 6000€ bereitstellen, was zwar noch deutlich unter dem Bundesdurchschnitt liegt, aber 20% mehr als der derzeitig Stand in Brandenburg. Fazit: Wie viele vernünftig ausfinanzierte Studienplätze wollen wir?

Prof. Zimmerli, Präsident der BTU: Prognosen sind immer unsicher, es besteht die Gefahr von self-fullfilling bzw. self-defeating Prophecies. Auf die demographische Entwicklung wirken viele Faktoren ein, z.B. die Übergangsquote von den Schulen, aber auch die Studenten aus anderen Bundesländern und dem Ausland, wo die demographische Entwicklung anders verläuft. Unis (im Unterschied zu FHs) rekrutieren nicht vorrangig regional, sondern überregional und international.4 Fazit: Studierendenrekrutierung als Weg, mit dem demographischen Wandel umzugehen.

Prof. Pleuger, Präsident der EUV Frankfurt: angesichts einer alternden Gesellschaft müssen die wenigeren jungen Leute besser ausgebildet sein. Geisteswissenschaften müssen gestärkt werden, nicht nur die technischen Bereiche; beispielsweise muß eine Erfindung ja hinterher auch vermarktet werden. Insbesondere an der Peripherie und im durch den neuen Flughafen zu erwartenden Dreieck Berlin-Posen-Breslau (und da drin liegt ja Brandenburg) werden interkulturelle administrative, rechtliche und sprachliche Aspekte zu integrieren sein. Wir können uns in Brandenburgs kleiner Hochschullandschaft Mittelmaß nicht leisten, und brauchen exzellente Hochschulen . Exzellenzinitiativen sind notwendig, damit wir Hochschulen haben, die nicht nur zur Ausbildung von Brandenburgern dienen, sondern auch für Studenten von außerhalb attraktiv sind.

Die Antwort von Fr. Kunst stellt in meinen Notizen leider teilweise ein etwas unverständliches Halbsatzgekrakel dar, ich weiß auch nicht, wie das kommt. Ich versuch mein bestes, ihre wesentlichen Punkte zusammenzufassen. Über das Ziel möglichst vieler Studienplätze sind wir uns alle einig, aber sie ist nicht überzeugt, daß eine Festlegung der Studienplatzanzahl und der Einfluß auf die demographische Entwicklung so funktioniert. Zum Beispiel könnten sich die Bewerberzahlen ändern, wenn in anderen Bundesländern attraktivere Angebote entstehen. Jetzt haben wir die doppelten Abiturjahrgänge, aber in der Zukunft muß mit weniger Leuten gerechnet werden. Dazu kommt der Sog von Berlin. Die Finanzierung der Hochschulen muß erhöht werden.

Maja greift die „Attraktivität“ auf: im ersten Punkt des Thesenpapiers zum Thema „Hochschulen und Wissenschaft“ steht derzeit „präzisieren ihre Profile laufend weiter“. Es müsste ergänzt werden „Die Hochschulen haben ein vielfältiges, ausfinanziertes Studienangebot“. Auch muß die Hochschulautonomie gesichert werden.5 Sie schließt sich Prof. Pleugers Forderung an, daß wir uns Mittelmäßigkeit nicht leisten können, meint aber auch: „Wir sind noch nicht mal Mittelmaß.“ ergänzt aber, bei der Hochschulfinanzierung seien wir noch nicht mal Mittelmaß. Ich finde, das trifft ein wesentliches Problem ganz prägnant.

Prof. Vahrson6, Präsident der HNEE (FH Eberswalde): Kampagnen wie „Studieren in Fernost“ waren erfolgreich, haben Studenten nach Brandenburg gebracht. Gefahr: nicht eingehaltene Versprechungen („Studenten hergelockt“) sprechen sich rum. FHs sind „Aufstiegs­maschinen“ d.h. besonders wichtig für und besucht von jungen Leuten, die die ersten in ihrer Familie sind, die studieren gehen. Brandenburgs FHs sind schlecht finanziert und wohl auch darum auf den Spitzenplätzen der Drittmitteleinwerbung in Deutschland. Verteilung der finanziellen Ressourcen: klären, wie zu verteilen (derzeit landet ungefähr 50% des Haushaltsansatzes in Brandenburg) – ist die Hochschul­agglomeration Berlin-Potsdam so wichtig, oder können auch regionale Hochschulen gefördert werden?

René Kohl, Hauptgeschäftsführer IHK Potsdam: unterstützt Kunst und Günther: 6000€ pro Studienplatz sind Untergrenze; ist das kurz[mittel?]fristig nicht erreichbar, muss die Anzahl Studienplätze gesenkt werden. Fokus auf Technik und Naturwissenschaft legen – am Bedarf der Wirtschaft orientieren. Gefährliche Entwicklung, die zu vermeiden ist: zu starke Betonung auf Hochschulausbildung! In einem durchschnittlichen KMU sind 10 Mitarbeiter, davon 2 mit Hochschulausbildung; der Rest hat eine Berufsausbildung gemacht. Bei zu starker Orientierung auf Hochschulausbildung nach der Schule kann es zu Mangel an Leuten kommen, die Berufsausbildung machen. Das spiegelt sich auch in hohen Studienabbrecherquoten wider. Hochschulen sollen aber Weiterbildung/Qualifizierung im Beruf anbieten. Leute aus dem Ausland sind willkommen, aber können wir sie hier halten? Die Gehaltsvorstellungen auf Bundesbasis7 sind höher als in Brandenburg möglich ist.

Prof. Koziol (BTU): Erkenntnis aus seiner Beschäftigung mit demographischen Entwicklungen (Abwassernetze): Anpassung nach unten ist keine nachhaltige Entwicklung. Wir brauchen Leute im Land; Hochschulen sind ein der wenigen Stellschrauben, die wir beeinflussen können. Das demographische Echo der geburtenschwachen Jahrgänge kommt; wir müssen es jetzt schon füllen, weil wir jetzt die doppelten Jahrgänge, Wegfall Wehrdienst haben und gute Chance bestehen, Studenten aus den alten Ländern zu gewinnen. FHs und Unis sind Ansiedlungsargumente für Betriebe.

Maja: Hochschulen als Motor → muß ins Thesenpapier! Hochschulen werden leider oft nur als Kostenfaktor gesehen → Nachhaltigkeit betonen.

Update 22.04.12, 23:55 restliche Beiträge des Workshops:

Ministerin Kunst zu Prof. Koziol: Die überdimensionierten Abwassersysteme, mit denen er sich beschäftigt, sind ein Beispiel für zu optimistische Prognostik. Ein nachhaltiges, nachfrageorientiertes Angebot sollte es geben; wie ist „nachfrageorientiert“ zu machen? Beispielsweise sollte man bei einem Ausbau eines Studiengangs nach dessen Nachfrage die Qualitätsentwicklung im Blick behalten, damit die Studenten in der Ausbildung mit den notwendigen Kompetenzen ausgestattet werden. Die Studienplatzzahl muß also an die Qualität im System gekoppelt sein, damit Absolventen rauskommen. Derzeit ist das System fokussiert auf Einsteigerzahl; es muß aber auch die Absolventenquote bzw. die Wertschätzung der Zukunftserwartung der Klientel berücksichten.
Zu Prof. Vahrson: FHs haben sich als Aufstiegsmotor bewährt. Sie widerspricht, daß deren Finanzierung so schlecht sei und deswegen die Drittmitteleinwerbung hoch ist. Es ist zu überlegen, Unis und FHs näher zueinander zu rücken. Die besondere Stärke der FHs ist, daß sie in der Region verbunden sind. Bei den „Hochschulen für Regionen“ ist aber die Schnittstelle zur Wirtschaft zu beachten – „wenn nichts da ist, kann sich die Hochschule noch so bemühen.“ Die F&E-Mittel aus der Wirtschaft sind in Deutschland angstiegen; in Brandenburg leider nicht so stark. Die 51% für Potsdam ergeben sich aus dem Prinzip „das Geld folgt den Studierenden“.

Wichtig für 2030 im Papier ist die duale Ausbildung; sie erhöht den Anteil an Studiumsinteressierten aus Bereichen, die nicht studiert hätten. Und umgekehrt: Leute, die nicht im Studium klarkommen, können zuerst einmal eine Berufsausbildung machen.

Ulrike Durlitzer [Name korrekt?] war vor dem Ruhestand im BMWF tätig, vor allem im Bereich Internationales. Sie plädiert für eine klare Internationalisierungsstrategie, mit konkreten Schritten. Der Blick muß sich vor allem auf Europa, insbes. unsere östlichen Nachbarn, richten. Sie fordert, daß internationale Studenten hier bleiben können; sie war damals gegen die Veröffentlichung vom Durchschnittsgehältern durch das BWMF, da sie zu hoch für die östlichen Bundesländer sind. Nicht zu vergessen ist, daß viele Ausländer ihre Ehepartner mitbringen, für die auch Arbeitsplätze notwendig sind, wenn sie bleiben sollen. Zum Thema „universitäre und außeruniversitäre Forschung“ (und stärkerer Fokussierung auf letztere): außeruniversitäre Forschung wird zum größten Teil durch den Bund finanziert – man kann als Land nicht einfach die Förderung der Forschung vom Land auf den Bund schieben. Es ist mehr Zusammenarbeit Bund–Länder nötig, die Kompetenzen müssen geregelt und ein gerechter Ausgleich gefunden werden.

Mathias Kern, Jusos: in letzter Zeit hat die Regierung im Hochschulbereich nicht den sozialdemokratischen Anspruch eingehalten, z.B. bei der einseitigen Einsetzung von Moderatoren. Ausbildungsplätze [in der beruflichen Ausbildung] müssen attraktiver werden (mehr Gehalt). Wissenschaftspolitik ist Strukturpolitik, Beispiel Bayern, das von einem Agrarland zu einem modernen, wissenschaftsstarken Bundesland wurde. Das Thesenpapier zeichnet hier ein zu negatives Bild, vor allem bei den Finanzen – nicht nur den Schuldenabbau explizit nennen, sondern auch Bildung und Wissenschaft explizit nennen. [Bei Strukturänderungen:] Betroffene muß man zu Wort kommen lassen.

Enrico Schicketanz, Landessprecher Juso-Hochschulgruppen: sollen Attraktivität und Qualität gesteigert werden, muß das nachhaltig geschehen, Planbarkeit für die Hochschulen muß gewährleistet sein. An den Hochschulen müssen für Daueraufgaben Dauerstellen eingerichtet werden, das bedeutet auch mehr Mitarbeiter. Es darf keine tariffreien Zonen in der Hochschullandschaft geben. Stärkung der Forschung an FHs ist ein guter Weg für eine gute Lehre (ein aktiv Forschender weiß über den aktuellen Stand des Wissens besser bescheid). Zu René Kohl (IHK): Lehre darf nicht nur auf die Verwertbarkeit der Absolventen ausgerichtet sein. Auch die Zusammenhänge von Kultur und Technik müssen untersucht werten; den entsprechenden Studiengang erhalten. Brandenburg sollte die Initiative ergreifen, die Bundesländer an einen Tisch zu bringen, um einen neuen Hochschulpakt auf den Weg zu bringen; das Kooperationsverbot (Bund–Länder) muß durch ein Kooperationsgebot ersetzt werden.

David Kolesnyk, Vorsitzender der Jusos Potsdam Ein junger Mann, dessenName ich überhaupt nicht verstanden habe; ich glaube, auch von den Jusos: im Norden Brandenburgs ist hinsichtlich Hochschulen nichts gemacht worden. Wir haben wenig Studienplätze (letzter im Bundesvergleich). Es werden zu wenige Lehrer ausgebildet, gerade angesichts des zu erwartenden hohen Bedarfs (viele alte Lehrer werden in nächster Zeit in Ruhestand gehen); die Absolventen wandern zum Teil in andere Bundesländer (z.B. Hamburg) ab, wo es attraktivere Angebote (Arbeitszeit, Verbeamtung) gibt. Es muß eine Vielfalt von Studiengängen geben, FHs und Unis dürfen nicht nur einen engen Schwerpunkt haben. Im Thesenpapier fehlen Europa und Polen fast ganz.

Frank Szymanski, Oberbürgermeister Cottbus: Die Hochschulen sind gut im Land angekommen, das hört man von der Regierung zu wenig. Neue Hochschulstrukturen sind nicht notwendig. Hochschulen sind wichtige Zukunftseinrichtungen, vor allem im Berlin-fernen Raum. Darum ins Thesenpapier: Hochschulen sind Gegenstrategie zum demographischen Wandel. Abkehr vom Mittelverteilungsmodell nötig. Mindestaussage: Hochschulzahlen [Ich mußte schnell schreiben, ich glaube, das hätte Finanzierung heißen sollen.] halten. Das Vorgehen in Cottbus war ein Fehlstart. Die drei Verfahren – Lausitz, Landes­struktur­kommission, Hochschulstrukturplanung8 – gehören zusammen.

Paul Weißflog, Juso-Hochschulgruppe Cottbus: aus den Grundwerten im Programm (Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität) folgt auch die Freiheit von Forschung und Lehre. Widerspricht der Aufhebung der Trennung von universitärer und außeruniversitärer Forschung. Es ist eine Systemdebatte zu führen, wie die Hochschulen zu finanzieren sind. Zu Hr. Kohl (IHK): Geisteswissenschaften sind wichtig, beispielsweise werden in Zukunft Kreativ- und Kulturtätigkeit an Bedeutung gewinnen.

Mathias Schubanz, wiss. Mitarbeiter BTU: an eine, wie im ersten Punkt im Thesenpapier erwähnte, auf bestimmte Themen spezialisierte Hochschule wäre er (als Informatiker) nicht gekommen. Zur Zusammenführung von FH und Uni: FH ist wichtig als Einstiegspunkt für erste aus der Familie, die studieren; die Differenzierung in Praxis gegenüber Theorie ist wichtig. Zu Fr. Kunst: Plädieren für mehr Orientierung an Absolventen heißt gegen das Mittelverteilungsmodell, das zu Konkurrenz zwischen den Hochschulen führt. Es gibt zu wenig Mitarbeiter an den Hochschulen, um gute Forschung zu machen – dafür bleibt zu wenig Zeit.

Klaus Faber, Vorsitzender des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern Klaus Färber [Name korrekt?] Die Prognose sinkender Studentenzahlen muß im Thesenpapier korrigiert werden; es gab früher immer wieder Prognosen, die weniger Bedarf besagten, und waren alle falsch. Was in Brandenburg ankommt, hängt im wensentlichen von der Brandenburger Politik ab.
Zur Finanzierung steht im Papier nichts brauchbares. Bezug herstellen zum Beschluß der Bundes-SPD vom 06.12.11 (großes Bildungs- und Wissenschaftsprogramm, 20G€ mehr9). Man bekommt keine Bundesgelder, wenn man selber keine Leistungen erbringt.

Maja, fasst als Schlußwort des Workshops wichtige Punkte zusammen: Zur Frage „wie viele Studienplätze?“ – mindestens gleichbleibend. Wissen­schafts­bereich als Chance für Brandenburg. Breites Fächer­angebot, einschließlich Geisteswissenschaften. Mittel­verteilungs­modell über­denken. Mehr wissenschaftliche Mitarbeiterstellen. Inter­nationalisierung betrachten. Kooperationsverbot abschaffen.

Update 23.04.12 21:05

Danach war dann Mittagspause mit Gesprächen. Mathias Schubanz und ich haben uns vor allem mit verschiedenen Jusos über die Situation der wiss. Mitarbeiter unterhalten. Dadurch konnte ich ein paar von der Truppe wenigstens andeutungsweise kennenlernen. (Die Zeit war halt doch etwas kurz.)

Am Nachmittag stellten die einzelnen Moderatoren die Ergebnisse aus ihren Workshops dem Plenum vor. Zunächst Frau Melior – ihre hier geäußerten Punkte sind vermutlich besonders wichtig als „Kandidaten“ für eine Änderung bzw. Ergänzung des Thesenpapiers.

  • Hochschulen sind nicht nur Kostenfaktor, sondern ein Motor und ein Gegenfaktor zum demographischen Wandel; jetzt kommen so viele Leute nach Brandenburg wie noch nie. Was ist mit der Finanzierung? → Zu wünschen ist nicht nur auskömmliche sondern bestmögliche Finanzierung; man muß sich das Mittel­verteilungs­modell anschauen.
  • Wirtschaft – duales Studium: Aufstieg durch Bildung.
  • Profilbildung: FHs haben wichtige Funktion in der Vernetzung mit der Wirtschaft vor Ort. Was ist der Bedarf des Landes, und was ist die Nachfrage?
  • Technologie und Innovationstransfer: wir haben eine hervor­ragende außeruniversitäre Forschungslandschaft; diese weiter aus­bauen.
  • Verbesserung der Finanzierung: auch in Richtung Wirtschaft und Bund blicken.
  • Internationalität: hier ist die EUV Frankfurt besonders wichtig, aber auch die anderen Hochschulen müssen verbessert werden.
  • Mittelbau: Ziel ist ein ausfinanzierter Mittelbau; gut bezahlte Arbeitsplätze, kein Hangeln von Befristung zu Befristung.
  • Umstrukturierung des Thesenpapiers: Bildung und Wissenschaft werden die Zukunft prägen – es ist zu überlegen, dies im Papier entsprechend umzupositionieren.

Leider habe ich mir zu Fr. Münchs Beitrag zur Schulbildung kaum Notizen gemacht. Sie hat auch darauf hingewiesen, daß [finanzielle] Ressourcen wichtig sind, aber nicht alles. Das Geld wird knapper, darum verstärkt sich der Kampf um die Ressourcen; der sollte aber nicht alles überlagern. Gerade bei Bildung und Wissenschaft wurde im Unterschied zu anderen Ressorts jetzt weniger gespart [konstant gehalten?], daraus ergibt sich die Verpflichtung, dieses Geld optimal einzusetzen.

Martin Gorholt, Staatsekretär im MWFK, berichtete aus seinem Workshop zum lebenslangen Lernen. Auch hier war ich etwas nachlässig in meiner Mitschrift. In den Kommentaren hat Prof. Hipp schon etwas dazu gesagt. Hier die Punkte, die ich mir notiert habe:

  • Es wurde zuviel diskutiert über den Weg Abi→Hochschule, zu wenig über berufliche Bildung und Weiterbildung.
  • Ein interessanter Hinweis aus dem Publikum war: im Thesenpapier fehlt eine „Landesaußenpolitik“, d.h. die Vertretung der brandenburgischen Interessen gegenüber Bund und Europa. Das ist wichtig für die Finanzierung.
  • Weiterbildung und Hochschulen nicht vernachlässigen: Stichworte Bologna-Universität, Weiterbildungs-Master – was bedeutet das für die Hochschulen?

Fr. Münch nahm den Begriff „Landesaußenpolitk“ auf: das umfasst auch die unsinnige Trennung Bund–Länder in Bildung und Wissenschaft; bei der Bildung ist die Inklusion im Bund noch nicht angekommen.

Fr. Melior zum Problem bei der beruflichen Bildung, daß die Hochschulen der Berufsausbildung die jungen Leute wegschnappen (v.a. Hr. Kohl / IHK): dafür ist duale Ausbildung als Lösung geeignet. Für Brandenburg sind berufliche Ausbildung und duale Ausbildung nötig.

Mike Schubert, der Vorsitzende der Zukunfskommission Brandenburg 2030, beendete diesen Teil mit dem Hinweis, daß weitere Vorschläge gern per E-Mail übermittelt oder beim Landesparteitag eingebracht werden können.

Ministerin Kunst beendete die Veranstaltung mit einem Schlußwort:

  • Es gab eine Reihe hervorragender Anmerkungen, jetzt müssen Antworten und eine Zusammenfassung der Arbeitspunkte für die Wissenschaftspolitik folgen.
  • In der Vergangenheit fand eine unerwartete Expansion der Hochschulen statt (jetzt 51000 Studierende), daraus resultierte eine Unterfinanzierung, obwohl die Gesamtausgaben in den letzten Jahren um 33% gestiegen sind. Zwischen 2000 und 2011 steigerte sich die Anzahl der Absolventen auf/um [ich denke: auf] 8700. In der Zukunft sind, trotz Optimismus, die Besonderheiten zu berücksichtigen: die Schulabgänger werden zurückgehen.
  • Dem Punkt zu Ausländern und Studenten aus anderen Bundesländern hab ich nicht recht folgen können; die Notizen enden in einem hilflosen „…?“
  • Chance: möglichst viele Plätze bieten; Ausgaben steigern für eine gute Qualität der Ausbildung. Es gibt zwei Stellenschrauben: die finanziellen Ressourcen und die Interessenslage der Schüler. Deren Studierneigung muß gefördert werden (Verbesserung der Aufstiegschancen). Man muß die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft wahrnehmen.
  • Wichtige Ansatzpunkte für die kommenden Jahre: Frau Melior hatte erwähnt: Gegenstrategie zum demographischen Wandel, Finanzierung der Hochschulen, Systemdebatte (Wie müssen sich die Hochschulen entwickeln?).

Ihr Vortrag endete leider dann sehr unerwartet mit einer Kreislaufschwäche oder ähnlichem; sie mußte sich erstmal setzen, hat es dann nochmal probiert, das ging aber nicht wirklich. Sie entschuldigte sich mit dem Hinweis auf eine sehr intensive Woche und einen besonders langen Arbeitstag am Vortag bis zwei Uhr in der Nacht. Die Konferenz wurde darum etwas früher als geplant beendet.

Mein Fazit

Zum Thema „Hochschulen in der Lausitz“ war erwartungsgemäß nicht so viel dabei, es war ja nicht eigentlicher Inhalt der Veranstaltung, aber natürlich ein deutliches Symptom von Problemen in der Wissen­schaftspolitik. Ein Stimmungsbild konnte ich mitnehmen. Und die Jusos und Oberbürgermeister Szymanski haben deutlich gesagt, daß beim „Lausitz-Prozess“ einiges im Argen liegt.

Redner mit den verschiedensten Hintergründen waren sich im Prinzip einig über die Wichtigkeit von ordentlich finanzierten Hochschulen für Brandenburg, vor allem in Hinblick auf die demographische Entwicklung. Eine Zusammenlegung von Unis und FHs schien mir niemand explizit zu vertreten; auch Fr. Kunst schiendahingehend relativ zurückhaltend. Die meisten sahen FHs als regionalen Wirtschaftspartner und vor allem durch ihre Praxisnähe als wesentlich für den „Aufstieg durch Bildung“ bzw. Weiterbildung.

Erfreulich fand ich, daß auch die wissenschaftlichen Mitarbeiter thematisiert wurden. Zwar war die Diskussion nicht so umfassend wie zu den Studentenzahlen, dem demographischen Wandel und der Hoch­schul­finanzierung, aber immerhin genug um in die Zusammen­fassung von Fr. Melior zu kommen. Danke an die Jusos, die das Thema in die Diskussion eingebracht haben, und an Mathias Schubanz für seinen Bericht „von der Front“.

Ich hoffe, daß sich im Zukunftsprogramm der SPD was tun wird.

Und noch besser: was im Gegenwartsprogramm!


  1. Der Begriff taucht immer wieder auf; wenn ich das richtig interpretiere, geht es v.a. um duales Studium. []
  2. Ich hoffe, daß der Satz „Die universitäre Forschung wird wieder mit der außeruniversitären Forschung zusammengeführt.“ in dieser Anordnung nur ein Versprecher war. []
  3. Es fiel auch der Begriff „Marken“. []
  4. BTU: regionaler Anteil inzwischen runter auf 40%, Rest aus Berlin, aus dem Ausland, aus anderen Bundesländern. []
  5. Das hat sie sicher auch mit Blick auf die Lausitz gesagt. []
  6. Ich hoffe, der Name stimmt. Steht so auf der HNEE-Website; habe ihn heute nicht richtig verstanden. []
  7. Es muß wohl eine Liste üblicher Gehälter in Deutschland geben, die vom BMWF gemacht wurde, siehe auch Aussage von for Durlitzer. []
  8. Ich hoffe, ich hab das richtig zusammenbekommen. Wesentlich jedenfalls, daß die Hochschulen nicht separat von und vor Beginn der Landeshochschulstrukturplanung umstrukturiert werden dürfen. []
  9. Gemeint ist glaub ich das hier. []

Kommentare (9)

  1. Ehrengard Heinzig 25 ⟨ 22.04.12, 1:01 | #  ⟩

    vielen dank. bin schon gespannt auf die fortsetzung.

  2. Maja 1 ⟨ 22.04.12, 10:04 | #  ⟩

    Toll! Danke!
    Kleine Ergänzung: Ich meinte nicht, dass "wir nicht mal Mittelmaß" seien, sondern die Hochschulfinanzierung des Landes.

    Pleuger meinte nämlich davor: Brandenburg könne sich Mittelmaß nicht leisten und plädierte dabei für Exzellenzinitiativen. Ich stimmte zumindest seinem ersten Satz zu, bezog mich dann aber auf die Unterfinanzierung im Wissenschaftsbereich mit dem Vermerk wir seien da ja nicht mal Mittelmaß in dem Bereich.

  3. fj 223 ⟨ 22.04.12, 12:23 | #  ⟩

    Danke, Maja, für die Hinweise. Ich hatte Dich auch so verstanden, aber in meinen stark verkürzten Notizen hier kommt das tatsächlich nicht so raus. Ich arbeite das nachher in den Text ein.

  4. Christiane Hipp 1 ⟨ 22.04.12, 7:32 | #  ⟩

    Vielen Dank! Ich war im Workshop zum lebenslangen Lernen. Dort war ich die einzige Vertreterin einer Hochschule. Es ging um Lernen von der ersten bis zur letzten Minute. Da kam natürlich auch das Thema "Durchlässigkeit in der akademischen Bildung" und "studieren ohne Abi" zur Sprache. Beides ist der SPD SEHR wichtig. Ich habe Herrn Gorholt (der Moderator, SPD, Staatssekretär im MWFK) darauf hingewiesen, dass Durchlässigkeit im Hochschulsystem eine sehr große Heterogenität unter den Studierenden bedeuten und bei der aktuellen Ausstattung eine Betreuung in Kleingruppen, um auf die unterschiedlichen Lernbedürfnisse reagieren zu können, in keinster Weise funktionieren würde. In seinem Schlussplädoyer am Nachmittag hat er das korrekt aufgegriffen.

  5. Mathias Kern 2 ⟨ 23.04.12, 12:20 | #  ⟩

    Vielen Dank noch einmal an Florian! Der junge Mann, dessen Namen Du nicht verstanden hast, ist David Kolesny, Vorsitzender der Jusos Potsdam.

    Der Mann vor Majas Schlusswort heißt Klaus Faber, der zugleich Vorsitzender des Wissenschaftsforums der Sozialdemokratie in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ist.

  6. fj 223 ⟨ 23.04.12, 12:40 | #  ⟩

    Mathias, Danke für die Namen und Funktionen! Ich hab's in den Text eingefügt.

  7. Mathias Kern 2 ⟨ 23.04.12, 12:51 | #  ⟩

    Super, danke! Sehr schnelle Reaktion!

  8. Wladimir Smirnow 4 ⟨ 23.04.12, 2:49 | #  ⟩

    Vielen Dank für die Mühe, die du dir hier gemacht hast. Bin gespannt auf das Schlusswort. ;)

  9. fj 223 ⟨ 23.04.12, 11:46 | #  ⟩

    Gerngeschehen! Aber das Schlußwort an sich war dann doch nicht so spannend. Die kurzzeitige Befürchtung, daß Fr. Kunst zusammenklappt, schon. :-/

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