Hochschulfusion im Landtag

Im Landtag wurde heute die geplante fusionierte „Energieuniversität“ de­battiert. In der rbb-Sendung „Heute im Parlament“ (Link zum Video in der rechten Spalte) beginnt das Thema ab 9′43″. Ich schau mir das grad an – mal sehen, was es zu berichten gibt. Update 19:13: Auf der Seite gibt es die einzelnen Beiträge nun auch einzeln.

Update 18:01: Die Linke als Koalitionspartner scheint mir auch nicht so recht glücklich mit dem Vorschlag von Fr. Kunst.

Bei 17′59″ meint Jens Lipsdorf (FDP), der rbb hätte das vollständige Gutachten. Das wäre ja mal interessant! Leider kann ich den Zwischenruf nicht verstehen, und weiß drum nicht, ob das den Tatsachen entspricht.

Update 18:13: Marie Luise von Halem (B90/Grüne): 21′47″: „Vielleicht ist dieses Papier absichtlich hinreichend unkonkret. Denn was jetzt wirklich fehlt, ist eine Strategie der Einbindung der Beteiligten. [...] Sehr geehrte Frau Ministerin Kunst, ich hoff mal Ihr Papier ist deshalb so dünn, damit es genügend Freiheiten für Beteiligungsprozesse bietet.“

So, jetzt (22′07″) kommt Fr. Kunst.

Update 19:03: erste Eindrücke von Fr. Kunsts Rede:

Naja, viel gesagt hat sie nicht. Aber in ihren ersten Sätzen kommt eine etwas komische Haltung raus. Natürlich wird es Beteiligungsmöglichkeiten geben, und wir sollen ruhig Blut bewahren. Das wäre vielleicht leichter gefallen, wenn sie nicht erst ohne Vorwarnung eine Bombe gezündet und dann die Leute eine Woche lang in ihrer Unsicherheit köcheln lassen hätte. Jetzt plötzlich kommen so schöne Wörter wie „Akteure“, „gemeinsam“ und „diskutieren“. Und sie will in den nächsten Jahre viel Zeit in der Lausitz verbringen. Warum nicht schon früher?

Es soll jetzt eine Landeshochschulstrukturplanung1 für die Lausitz geben. „Und dieses ist sozusagen auch der Bereich der seitens des Landes ausgestaltbar ist. Alles, was dann mit der Hoch­schul­strukturentwicklung vor Ort zu tun hat, ist selbstverständlich das, was die Hochschulen unter Nutzung ihrer Autonomie, und auch unter der Verantwortung ihrer Autonomie, ganz selbst zu machen haben.“ Wer böses denkt, unterstellt so einem Top-Down-Ansatz natürlich instinktiv, daß die Regierung erstmal diese Rahmenbedingungen so vorgibt, wie es ihr passt, sprich möglichst viel Geld spart2, um dann den Hochschulen den schwarzen Peter zuschieben kann, wenn sie aus aus der Scheiße nix machen konnten. Ich hoffe mal, daß es in Wirklichkeit nicht so schlimm wird.

Man darf nicht vergessen, daß es so viel Spielraum ja gar nicht gibt – drei Standorte mit Gebäuden und Laboren, jede Menge Beschäftigte, die ja nicht gekündigt werden sollen (oder können), noch viel mehr Studenten, die sicher gern fertig studieren möchten. Zwar sagt Fr. Kunst zum Thema „Ausstattung“ daß wir in der glücklichen Situation sind, viele freie Stellen zu haben3, die man für die Profilierung nutzen kann. In der Zwischenzeit, und auch noch danach (mit dem neuen Profil), müssen alte Studiengänge, alte Forschungsprojekte abgedeckt werden. Von der eh schon überlasteten Restbelegschaft, unterstützt von Gastprofessoren, die man irgendwo noch einfangen konnte. Da werden noch interessante Jahre auf uns zukommen.

Sie spricht auch vom Abbau von Studiengängen und Studien­platzkapazitäten. Danach sollen Teile davon wieder investiert werden, sollen hochinnovative Studiengänge aufgebaut werden. Netto also ein Abbau der Studentenzahlen. Das bedeutet nach dem Mittelverteilungsmodell automatisch einen Rückgang der Hoch­schul­finanzierung.4

Apropos Studienänge: es geht um „hochinnovative Studiengänge für die Lausitz“ – also eine Regionaluniversität ohne nationale oder gar übernationale Relevanz? Braucht die Lausitz überhaupt so viele Absolventen?

Interessant fand ich an der Debatte auch, daß die Oppositionsparteien FDP und B90/Grüne das Vorhaben eher begrüsst haben (wenn auch etwas verhalten). Die SPD (ich geh man davon aus, daß die erste Rednerin von der SPD warIst sie, wie ich anhand der anhand der jetzt verfügbaren Einzelbeiträge sehe.) ist dafür, aber Begeisterung sieht anders aus, und Die Linke ist wie oben schon gesagt eher kritisch.

Die Phrase „Flügelschlagende Unruhe der BTU“ (von Halem) fand ich sehr putzig. Die damit beschriebene Situation an sich weniger.


  1. Für solche Wörter liebe ich die deutsche Sprache! []
  2. Und darum geht es ja auch. Es will nur keiner zugeben. []
  3. Ja woher kommen die wohl? []
  4. Das Mittelverteilungsmodell hat uns ja die jetzt bemängelte hohe Anzahl an Studenten gebracht. []

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