Jetzt liegt der Ball beim Ministerium

Heute hat die BTU ihren Gegenvorschlag zum Ministeriumskonzept zur Neustrukturierung der Hochschulen in der Lausitz vorgestellt. Dazu gab's gegen Mittag im Senatssaal eine In­for­mationsveranstaltung, vorrangig für die Presse, aber auch noch mit ausreichend Kapa­zität für die paar1 Interessierten von der BTU.

Das Konzept ist inzwischen als PDF-Dokument veröffentlicht. Zum Vergleich hier noch das Positionspapier des MWFK2.

Unter den Gästen war auch der Transformationsbeauftrage, Prof. Dr. Grünewald.

Präsident Zimmerli hat nach einer kurzen Einführung die Ziele und Leitlinien der Konzeptentwicklung beschrieben und dann den Vorschlag zur Neustrukturierung bzw. Weiterentwicklung der BTU vorgestellt. Anschließend haben die Vizepräsidenten für Lehre und Forschung, Prof. Koziol und Prof. Schmeißer, ihren jeweiligen Themenbereich vertieft. Diese Vorträge enthielten im Vergleich zum Dokument keine wesentlichen zusätzlichen Informationen.

Wer sich den Text nicht durchlesen will, kann sich hier die vorgeschlagene Fakultätsstruktur anschauen:

Neue Fakultätsstruktur im Reformvorschlag vom 07.05.12, S. 5.

Neue Fakultätsstruktur im Reformvorschlag vom 07.05.12, S. 5.

Ein paar Punkte, die mir aufgefallen sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Die Reform kann im Rahmen der bestehenden Gesetze durchgeführt werden, was den politischen und legislativen Aufwand im Vergleich zur Schließung und Neugründung deutlich verringert. Die Arbeitsersparnis dürfte den Landtagsabgeordneten sehr entgegenkommen. 😉
  • Keine gemeinsamen Fakultäten mit der Hochschule Lausitz, sondern gemeinsame wissenschaftliche Einrichtungen. (Das hängt mit dem vorigen Punkt eng zusammen.)
  • Saubere Trennung in praxisorientierte FH-Studiengänge (B.Eng., M.Eng.) und forschungsorientierte Uni-Studiengänge (B.Sc., M.Sc.), dabei aber gemeinsame Module, erhöhte Durchlässigkeit (Wechsel zwischen den Hochschultypen) und gemeinsame Doktorandenausbildung.
  • Zur Schwerpunktbildung bei der Forschung dienen Forschungszentren, in denen die entsprechenden Professuren zusammengeschlossen sind. Es bestehen schon zahlreiche (von der Lausitzkommission auch explizit gut bewertete) Zentren, so daß hier nicht allzuviel geändert werden wird. (“Never change a winning team.”)
  • Angesichts der schnellen und vor allem schweren Geburt, von der ich als Fakultätsratsmitglied einiges mitbekommen habe, wirkt das Konzept eigentlich ganz rund und passabel.

Von den Pressevertretern kamen nicht allzuviele Fragen, u.a. zum zeitlichen und finanziellen Aspekt. Prof. Zimmerli schätzt den Mehraufwand auf ganz grob 10% der derzeitigen Fixkosten. Eine Umstrukturierung könne relativ schnell geschehen, da ja die Leute schon aufeinander zugegangen wären und miteinander diskutiert hätten und keine gesetzgeberischen Maßnahmen nötig seien; bis Ende des Jahres (Prof. Zimmerli meinte „akademisches Jahr“, also Ende WS12/13, wenn ich das richtig verstanden habe; nagelt mich bitte nicht fest, ich hab's wirklich nicht richtig mitgekriegt!) könnte man das wichtigste schon umgesetzt haben.

Ich hatte die Gelegenheit genutzt und gefragt, wie es mit der Mitarbeiterausstattung aussähe: das Konzept umfasst genauso viele Professuren, wie wir jetzt haben. Bei im wesentlichen unveränderten Budget werden weiterhin wenige Mitarbeiterstellen pro Professor zur Verfügung stehen – an der BTU gibt es im Vergleich zu anderen TUs deutlich weniger Mitarbeiter pro Professor. Könnte es als Alternative, wenn vom Land keine adäquate Finanzierung zu erhalten ist, auch eine Struktur mit weniger, aber besser ausgestatteten Professuren geben? Prof. Zimmerli antwortete darauf, daß man nicht mit der „Schere im Kopf“ rangehen wollte und von vornherein mit einer geringeren Anzahl von Professuren planen. Es gäbe auch noch eine dritte Möglichkeit (neben mehr Geld vom Land und weniger Profs): durch stärkere Forschung könnten auch mehr Mitarbeiter (auf Drittmitteln) gewonnen werden. Zum Thema „Dauerstellen für Daueraufgaben“ (also v.a. Lehre, aber auch Einwerben von Drittmitteln, Forschungsanträge schreiben) konnte ich nicht nachhaken, da die Moderation schon mit den Füßen scharrte (und das ja inhaltlich auch über das heute vorgestellte Reformkonzept hinausgeht und eher eine Frage ans Land ist).


  1. Es waren überraschend wenige. []
  2. Als „Konzept“ kann man dieses unausgegorene, nahezu inhaltsleere Dings eigentlich kaum bezeichnen []

Kommentare (6)

  1. Friedemann Kemm 1 ⟨ 08.05.12, 11:33 | #  ⟩

    Gemeinsame Wissenschaftliche Einrichtungen unterscheiden sich von gemeinsamen Fakultäten de facto nur darin, dass man sie nicht vom Ministerium genehmigen lassen muss. Insbesondere ist es auch einfacher, bei Bedarf an der Kooperationsvereinbarung zu drehen. Bei Fakultäten bräuchte man da vermutlich auch wieder eine Genehmigung aus Potsdam. Und wer die deutsche Bürokratie kennt, weiß, was das bedeutet.

  2. fj 229 ⟨ 08.05.12, 5:33 | #  ⟩

    Genau das war Prof. Zimmerlis Punkt.

  3. Wladimir Smirnow 4 ⟨ 09.05.12, 12:11 | #  ⟩

    Zu den überraschend wenigen Interessierten: Es war meines Wissens als reine Presseveranstaltung angekündigt... zumindest hab ich's so verstanden. Sonst wär ich auch gekommen...

  4. fj 229 ⟨ 09.05.12, 5:28 | #  ⟩

    Stimmt, war so angekündigt. Ich war trotzdem neugierig,einerseits auf das Konzept, andererseits auf die Presse, und hab bei Fr. Müller angefragt, ob noch Platz wäre.

    Die Medienvertreter hatten natürlich Vorrang, und Sitzplätze, aber die Gäste kamen auch noch gut unter, wenn auch z.T. mit Stehplätzen.

  5. LaVau Von Dem Garten 25 ⟨ 18.11.12, 7:47 | #  ⟩

    Supi Sache, das mit dem Kommentare importieren *duck*

  6. Florian Jenn (Facebook) 229 ⟨ 19.11.12, 1:47 | #  ⟩

    Joa, in letzter Zeit versagt der Spamfilter zusehends und jetzt hab ich nicht rechtzeitig manuell interveniert. 🙁 Ist jetzt aber bereinigt, zum Glück waren es nicht zu viele Spamkommentare, und nur bei ein paar Artikeln…

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