„Moderne Kunst“ – Hydrogeologie

Vor geraumer Zeit hatte ich ein farbenfrohes Objekt moderner Gestaltungskunst gepostet und mich gefragt, ob jemand erkennt, was das wohl ist. Ein, zwei Leute waren davon zwar angetan, konnten aber der „Frau mit Fisch“ leider nichts weiter hinzufügen…

Jetzt also das Bild im Gesamtzusammenhang:

Grundwasserkarte von Bayern 1:25000, Blatt 6532 Nürnberg (1970).

Grundwasserkarte von Bayern 1:25000, Blatt 6532 Nürnberg (1970).

Die „Frau mit Fisch“ war also die Raumdarstellung der Mächtigkeiten und Durchlässigkeiten im oberen Grundwasserstockwerk dieses Kartenblatts. Die bunten Flächen und Kästchen dienen dazu, den räumlichen Aufbau und die hydraulische Durchlässigkeit der einzelnen Grundwasserleiter darzustellen.

Transmissivität

Die Farben geben die Transmissivitäten (Mächtigkeit multipliziert mit dem hydraulischen Durchlässigkeitsbeiwert kf) an, wie in der Tabelle rechts neben der Hauptkarte zu sehen:

Farbliche Darstellung der Transmissivitäten.

Farbliche Darstellung der Transmissivitäten.

Die Durchlässigkeit (kf-Bereich am unteren Rand der Tabelle) wird im wesentlichen anhand des Grundwasserleitertyps (Locker- bzw. Festgestein) und der Stratigraphie (Tabellenkopf) zugeordnet. Mit den Mächtigkeiten in 10m-Intervallen (Tabellenzeilen von unten nach oben) ergeben sich dann die Transmissivitäten, wobei dunklere Farbtöne eine höhere Transmissivität anzeigen.

Raumdarstellung

Die räumliche Lage der Schichten zueinander wird durch die Kästchen und Balken wiedergegeben. Rechts unten findet sich die Erläuterung dazu:

Erläuterung der Raumdarstellung.

Die mittlere Grundwasserleiter (mittlerer Keuper – Burgsandstein, Blasensandstein) ist flächig dargestellt, je nach Mächtigkeit bzw. Transmissivität in unterschiedlichen Blautönen (s.o.). Die nur lokal verbreiteten quartären Sedimente bauen den oberen Grundwasserleiter auf, eingezeichnet als über der Fläche „schwebende“ Balken. Die Lehrbergschichten des Keuper bilden den unteren Grundwasserleiter, auf den man in seinem Verbreitungsgebiet (im Westen sind die Lehrbergschichten tonig ausgebildet und stellen somit einen Stauer dar) durch die „ausgeschnittenen Kästchen“ (oder Fensterchen) hinuntersehen kann.

Ähnliche abgefahrene Darstellungen finden sich z.B. auch in der (später erschienenen) Hydrogeologischen Karte der DDR 1:50000 (HK50):

Hydrogeologische Karte der DDR 1:50000, Grundkarte.

Kommentare (4)

  1. Kathrin 8 ⟨ 21.01.10, 10:40 | #  ⟩

    Ha, eine Grundwasserkarte! Von wegen Wissenschaft und Kunst lassen sich nicht verbinden^^ Danke für diesen tollen Exkurs in die moderne Kunst 😉

  2. fj 229 ⟨ 25.01.10, 10:29 | #  ⟩

    Gerngeschehen. 😉

    Die Karte bot sich besonders dazu an, weil sie wirklich ziemlich „geometrisch“, quietschbunt und zudem ohne unterlegte Topographie ist.

    Apropos: ich kann auf Deinem Blog nicht kommentieren, das Sch*&#@-Blogger.com frisst meine OpenID nicht. :-/ (Jedesmal wenn ich dort irgendwo kommentieren will, ist es noch ein bißchen schlimmer geworden.)

  3. Kathrin 8 ⟨ 30.01.10, 4:19 | #  ⟩

    Komisch...hm. Hab jetzt die Kommentareinstellungen geändert (auch anonym möglich, aber nur nach Anti-Spam-Wortbestätigung) - ich hoffe jetzt klappts? 🙂 Schönes WE!

  4. fj 229 ⟨ 01.02.10, 6:59 | #  ⟩

    Danke, jetzt hat er mein OpenID gefressen.

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