MWFK bläst Hochschulneugründung ab

Bitte Artikel-Datum beachten!

Interessante Mitteilung über den E-Mail-Informationsdienst der Brandenburgischen Landesverwaltung (mit dem schönen Namen „Abgeordneten/Parteien/Regierungs-Informations­Listenverteiler“, den es so wohl nur in Deutschland geben kann) vom heutigen Tag:

MWFK nimmt von Hochschulneugründung in der Lausitz Abstand

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur verfolgt die Pläne zur Schließung von BTU Cottbus und HS Lausitz und Gründung einer neuen Technischen Universität in der Lausitz nicht mehr weiter. Auch andere Arten einer Fusion werden abgelehnt. Staatssekretär Gorholt: „Nachdem wir uns die Faktenlage nun doch betrachtet haben, lässt sich für eine Zusammenlegung der beiden Hochschulen kein stichhaltiger Grund erkennen.“ Die von Bundesministerin Anette Schavan geäußerte Kritik an der Umsetzung der Bologna-Reform (siehe Zeit Online 22.02.12) nähre zudem Zweifel an der Sinnhaftigkeit einer überstürzt eingerichteten „Bologna-Universität“. Diese habe ihre angestammte Heimat in Oberitalien und solle dort auch bis auf weiteres verbleiben.

Die Ministerin, Prof. Dr. Sabine Kunst, konnte Ministerpräsident Matthias Platzeck davon überzeugen, mehr Geld für die Hochschulen bereitzustellen. Dieses werde kurzfristig u.a. dem Etat für das neue Stadtschloss entnommen („Der Landtag muß sich wohl auf ein weniger monarchistisches Gebäude einstellen.“); für die längerfristige Finanzierung hat sich aus einem vorab mitgeteilten Ergebnis der Landes­hochschulstrukturkommission („Buttler-Kommission“), eine juristisch zwar nicht naheliegende, aber machbare Möglichkeit ergeben, einen jährlichen Betrag aus dem Stiftungsvermögen der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder abzuschöpfen und anderen Hochschulen zugute kommen zu lassen. („Dafür hatte sie ja auch damals großes Glück bei der Einbehaltung der Rücklagen!“)

Über ihr Verhalten in den letzten Wochen äußerte sich Kunst selbstkritisch: „Ich hatte anfangs große Hemmungen, meinen Pläne und Konzepte zu kommunizieren, da ich an einer starken Logorrhoe repetens leide – zurecht, wie mir die Aufzeichnungen von der Stadt­verordnetenversammlung und der Podiumsdiskussion gezeigt haben. Ich möchte darum den weiteren Diskussionsprozess in die Hände einer fähigen Person legen, die aber noch gefunden werden muß. Ich hoffe aber sehr, daß sich Prof. Emmermann hierfür bereiterklären würde.“ Alternativ stünde auch Anke Blumenthal zur Verfügung.

Im Gespräch mit den Präsidenten der Hochschulen und Vertretern des Mittelbaus (entsandt von der neugegründeten Taskforce „Mittelbau braucht Uni“) wurde eine enge Zusammenarbeit im kleinsten Kreis beschlossen. Kunst: „Prof. Zimmerli – oder Walther, wie ich ihn jetzt nennen darf – und ich werden uns in Klausur begeben“. Geplant ist angesichts des zu erwartenden schäbigen Aprilwetters der Aufenthalt in einem Beach-Resort auf Mauritius. Das Multimediazentrum (MMZ) sei in die Vorbereitungen voll eingebunden, so Zimmerli. „Ein Mitarbeiter des MMZ wird uns begleiten, so dass wir bei Bedarf umgehend Livestreams in die Hörsäle oder Konferenzschaltungen mit den Gremien aufbauen können.“ Um ein Abgleiten der Gespräche in inhaltsleeres Geplapper zu vermeiden, werden spezielle Kommunikationsworksheets zur Erhöhung der Aufmerksamkeit zum Einsatz kommen. Während der voraussichtlich längeren Abwesenheit der Ministerin wird Prof. Schulz, Präsident der HSL, die Geschäfte im MWFK führen. „Er genießt mein vollstes Vertrauen“, bestätigt Kunst.

Ein erstes Ergebnis der Beratungen liegt aber schon jetzt vor: es wird ein Sonderfonds zur Unterstützung von Kooperationsprojekten zwischen HSL und BTU in Forschung und Lehre eingerichtet. Nebst Anschub­finanzierung für förderwürdige Projekte sind auch Dienstwagen für Fahrten zwischen Cottbus und Senftenberg vorgesehen, sowie ein Semesterticket für beteiligte Mitarbeiter. Auf Anregung von Susanne Melior, wissenschaftspolitischer Sprecherin der SPD-Fraktion, soll es auch einen Fahrdienst zwischen Potsdam und Cottbus geben, um Politikern, Behördenvertretern und Hochschulleitung den weiten Weg in die und aus der Lausitz zu erleichtern.

Morgen wird das MWFK in einer ausführlichen Pressemitteilung die Konstituierung eines Arbeitskreises zur Verbesserung der Hochschulsituation im Land Brandenburg bekannt geben. Nach den schlechten Erfahrungen mit der voreiligen Bezeichnung der damals geplanten Neugründung als „Energieuni“ will man sich mit der endgültigen Benennung des Arbeitskreises noch zurückhalten. Vorgeschlagen wurden u.a. „1. Arbeitskreis Pragmatische Reformen In Lehrinstitutionen“ und „1. Arbeitskreis Politisch Realisierbare Initiative Lehrqualität“. Kunst freut sich: „Mein Kommunikationsberater hat mir empfohlen: der Name ist eigentlich egal, wichtig ist ein schmissiges Akronym.“

Kommentare (3)

  1. gba 1 ⟨ 01.04.12, 13:04 | #  ⟩

    schade, dass heute der 1. april ist.

  2. RGausL 1 ⟨ 01.04.12, 15:07 | #  ⟩

    Wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen durchsickerte, wird zur Finanzierung des Ausbaus der Hochschullandschaft in der Lausitz das MWFK und das MBJS fusionieren. "Stärken stärken und schwächen schwächen" soll das oberste Ziel dieser ukunftsorientierten Restrukturierungsmaßnahme sein. "Wir müssen dringend Parallelstrukturen abbauen", verlautbarte von allerhöchster Stelle, ebenso "Die Nutzung von Synergien verschafft uns ungeahnte Chancen". Beide Ministerien versicherten, dass nicht an den Abbau von Arbeitsplätzen gedacht sei. "Alles wird bleiben wie es ist." Damit in dieser Hinsicht keine Zweifel erwachsen, wird ab sofort das neue Ministerium symbolkräftig mit einer Doppelspitze geführt.

  3. fj 221 ⟨ 02.04.12, 14:41 | #  ⟩

    @RGausL: War nicht das neue Motto gemäß des Matrixansatzes (transponiert): „Stärken schwächen und Schwächen stärken“?

Kommentar schreiben

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht angezeigt oder weitergegeben. Notwendige Felder sind mit * markiert.